tonopol

Geigenpoprock aus Berlin

Wohnen

(01) Münchhausen aus dem Sumpf

Da drüben überm Platz hinter dem Bahnhof hängt ein einsamer Mann
Er hat sozusagen seltsame Hosen und Plateaustiefel an
Der schwebt dort hinten überm Platz gewissermaßen am eigenen Arm
Die freiwillige Feuerwehr macht wegen ihm seit Nachmittag Alarm


Zwischen den Beinen schaukelt ein Pferd
Die beiden scheinen unversehrt
Er ruft ganz laut um Hilfe, ich will doch noch nicht schon jetzt ins kalte Grab
Aber wenn ich jetzt loslasse, dann falln das Pferd und ich selbst hinab


Münchhausen hat sich aus dem Sumpf erhoben
Jetzt schwebt er hier seit Tagen droben
Der Arm wird schwach, die Hand geht auf
jetzt holt doch endlich das Sprungtuch raus


Ein kleiner Junge zuppelt an dem Vati und er fragt, wie macht er das
Die Mutti schubst ihn weiter und sie sagt, der macht doch eigentlich nur Spaß
Wahrscheinlich ist das Pferd wie alles so ein großer Heißluftballon
Mit Helium drin - das weiß doch jedes Kind, warum weißt du das nicht, mein Sohn


Der Typ da oben ruft und krakeelt
Tut ob er gleich hinunterfällt
Er ruft ganz laut um Hilfe, ich will doch noch nicht schon jetzt ins kalte Grab
Aber wenn ich jetzt loslasse, dann fall'n das Pferd und ich selbst hinab

(Graf / Vetter)

(02) Traumwelt

Ich lieg in meinem Bettchen und träume grad von nichts.
Der Opa ist ein Frettchen und grinst mir ins Gesicht.
Die Löwen tanzen Tango, und ich find das ganz normal.
Ich lümmel mich im Fango oder schon im Buchregal.


Nur ein Traum in meiner Traumwelt

Da kommt ein böser Drache, reißt mir die Arme ab.
Als Jungfrau schwör ich Rache und bringe ihn ins Grab.
Das wird dann zum Schwimmbad, und Bohnen wachsen drin,
verschlingen sich zum Rhönrad – und ich häng mittendrin.


Die grünen Sterne prangen dort am Himmelszelt.
Kleine Würmer fangen Dropse und drucken daraus Geld.
Ein Cello stöhnt orgiastisch ein Cis aus sich heraus.
Die Noten werden plastisch – und ich zu Körperklaus.

(Graf)

(03) 1000 Träume

Ich speicher mir die Sonne in meinem Badeanzug,
verkauf den Regenbogen an die Presse.
Dann setz ich mich auf's Sofa und klebe meine Fotos ein,
damit ich diesen Augenblick nie vergesse.


Schenk mir einen Rosa Lutscher, dann setz ich meine Brille ab -
die geht mir schon zu lange auf die Augen
Dann schreib ich mit Kartoffeldruck mein Leben auf dein Kissen,
und du kannst es dir nachher dann gern anschauen


Kennst du den Ort, wo 1.000 Träume Zimmer mieten
und täglich zwei Stunden spazieren geh'n.
Dann nehm' ich dich mit, und wir treffen uns in 1.000 Träumen,
und den Schönsten nehmen wir dann mit nach Hause.


Halt mich fest für eine Stunde, die dauert nur 'ne Ewigkeit.
Das Erdbeereis zerschmilzt auf deinen Lippen.
Der große Wagen fährt uns auf der Lindenstrasse durch das All
zum Badehosenfussballtraining auf dem Satelliten.


Und wir fliegen durch die Strassen vom Tagtraummietobjekt
verlieren uns in 1.000 Träumen, und der Schönste wird schon bald von uns entdeckt

(Vetter)

(04) Widerstand der Dinge

Die weiße Fahne weht nach Osten
Obwohl der Wind von dort her kommt
Die Schrauben fangen an zu rosten
Trotz Trockenheit und gut verplombt


Der Fernseher hört auf zu sehen
Das Radlerradl radelt nicht
Die Schuhe wollen nicht mehr gehen
Die Messerklinge klingt und bricht

Das ist der Widerstand der Dinge
Jeder hat's schon mal erlebt
Das ist der Widerstand der Dinge
Wenn alles in die Brüche geht


Der Spüler hat sich abgesprochen
Die Waschmaschine will nicht mehr
Der Fensterrahmen ist zerbrochen
Und auch die Türe geht sehr schwer

(Graf)

(05) Prinzen der Einsamkeit

Ich stehe am Fluss und sehe mich treiben
Die Beine nach vorn, nach Norden hin
Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin


Ich sehe dich drüben, am anderen Ufer
Dein Blick ist hart, eiskalt und blau
Halt mich nicht auf, du kannst nicht verstehn
Das Leben ist eins, das andere ist Grau


Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin
Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin


Ich stehe am Berg und rufe nach dir
Ich weiß wo du bist, doch ich finde dich nicht
Nein, ich will nicht, das du mich verlierst
Einem traurigen Lied ist egal, wen es bricht

(Graf)

(06) Schöne neue Welt

Meine Oma, diese Gute, hat für mich gespart
Drückt mir ein paar tausend Kröten auf die Hand
Kauf dir mal was Gutes, hat sie mir gesagt
Gleich ging ich in so ein großes Kaufmannsland
Jetzt hab ich einen Kühlschrank mit 5.000 Litern
Crushed Ice und Internet sowieso
Der bestellt von alleine, auch wenn ich nun meine
Zu viel Joghurt und kaum Bier und Wein


Schöne neue Welt


Heimkinoanlage mit 42 Boxen, High Fidelity und Sensurround
Brüllt von unten, donnert oben, kracht links und rechts
Totaler Erlebnissound
Im Zimmer ist es eng nun mit den vielen Boxen
Doch ich nutz die Technik so gut ich kann
Am liebsten säh ich Tatort, doch das macht mich fertig
So guck ich nur noch Kaufkanal und Stummfilme an

Ob es mir nun gefällt oder nicht
Hier kommt die schöne neue Welt


Alles was jetzt noch zählt
Ist schnell gekauft oder bestellt

Kostet alles viel Geld
Doch ich nehme am Fortschritt teil
Ich bin doch nicht blöd
Und finde Geiz nicht so richtig geil
Anrufbeantworter, neuestes Modell
Mit integrierter Dialogoption
Lässt das Telefon nicht klingeln, hebt ab furchtbar schnell
Und führt mit dem Anrufer Konversation
Am Ende jedes Monats dann im Internet
Bekomm ich's mit der Rechnung eiskalt serviert
Warum mich niemand anruft und mit wem diese Maschine
Stundenlange öde sinnlose Gespräche führt

(Schäffus)

(07) Im Auge des Sturmes

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er
Der Frosch auf seiner Leiter macht das Wetter wieder heiter
Ein Sturm kommt auf, die Ruhe trügt
Weil uns gleich alles um die Ohren fliegt


Blätter, Zweige, Äste wirbeln durch den Wind
Schau nur, wie der Irrsinn gleich beginnt
Mitten in der Zerstörungskraft
Ein Moment, der uns Ruhe schafft – im Auge des Sturmes


Hoppe hoppe Reiter, so geht das immer weiter
Wer sich nicht um den Frosch bemüht, riskiert, dass er erfriert.
Bäume fallen, Dächer heben ab
Das ist die Schuld vom Frosch – nicht zu knapp

(Schäffus)

(08) Melancholie

Des Hauses Augen
Nebelblind nach innen sehen
Müde Träne glitzert
Ein Hauch von ihr ist noch zu spüren


Melancholie


Alles ist vergänglich
So weh und doch so schön
Erinnerung wird unendlich
Die Träne wie ein Diadem


Schatten werden länger
Mondlicht dann zieht herauf
In einsamer Stille
Findt meine Seele ein Zuhaus

(Vetter)

(09) Wohnen

Du musst heute Abend noch mal fort,
hast ein Konzert im Nachbarort.
Und damit es sich für mich lohnt,
wird heute mal ausgiebig gewohnt.


Für Wellness, Beauty ist heute Zeit
die Gurk´ auf's Auge, die Wanne bereit
mal richtig schön eine Stunde relaxen
und mich mit tollen Essenzen verhexen.


Ich darf heute wohnen, ganz ohne dich.
Ich darf heute wohnen, nur ich und ich.
Ich darf heut wohnen, ganz nur für mich
Ich darf heut wohnen, nur ich und ich.


Bevor ich mir Casablanca anseh,
gibt es zuerst Süßkartoffelpüree
die Beine lagern dann auf dem Tisch
und links davon steht das Knabbergemisch.


Das Schaumbad heiß, die Tür geht verzagt,
nun stehst du da - Konzert abgesagt
Ich wollt doch wohnen, ganz ohne dich,
jetzt stehst du vor mir, so geht das nicht!

Ich wollte doch wohnen, mal ganz nur für mich,
jetzt stehst du vor mir, so geht das nicht!

(Graf)

(10) Finde den Fehler

Du gabst mir deine Nummer,
Ich freute mich, da fängt jetzt was an
Doch schon der erste Kontaktversuch:
Du gehst nicht ran


Ich dachte, das kann Zufall sein,
Mensch ärgre dich nicht, stell dich nicht so an.
Versuchst es später noch einmal,
Doch du gehst nicht ran


Finde den Fehler, ghostest du mich?
Finde den Fehler, ich stalk dich doch nicht
Ich wollte doch nur ein Date mit dir,
Ruf dich nun fast täglich an.


Ich höre deinen Klingelton,
Doch du gehst nicht ran
Mit WhatsApp und mit Briefpapier
Per SMS und Telegramm

Suche ich Kontakt zu dir,
Doch du gehst nicht ran
Jetzt ist die Mailbox übervoll,
Dass sie nichts mehr speichern kann.


Meine Nase ist genauso voll,
Ich ruf dich gleich mal an!

(Graf / Schäffus)

(11) Ewigkeit

Die Ewigkeit ist Langeweile die Ewigkeit ist trostlos lang Nichts Neues gibt es, keine Eile ist vonnöten, mir wird bang

Wenn Syssi seine Steine rollte dann hat er wenigstens zu tun Was ich damit sagen wollte - ach, was soll es, sei es drum


Die Ewigkeit ist nichts für mich Puzzle tausend mal tausend Teile ist in der Ewigkeit ein nichts denn Ewigkeit ist Langeweile


Die Ewigkeit ist Langeweile da hilft kein Gott, kein Heilgenschein kein Halleluja oder Hosianna da hilft kein Betteln und kein Schrei`n, kein drittes Ei am fünften Bein

Die Ewigkeit ist Langeweile die Ewigkeit ist trostlos lang Nichts Neues gibt es, keine Eile ist vonnöten, mir wird bang

(Graf)