Geigenpoprock aus Berlin
Da drüben überm Platz hinter dem Bahnhof hängt ein
einsamer Mann
Er hat sozusagen seltsame Hosen und Plateaustiefel an
Der schwebt dort hinten überm Platz gewissermaßen am
eigenen Arm
Die freiwillige Feuerwehr macht wegen ihm seit Nachmittag
Alarm
Zwischen den Beinen schaukelt ein Pferd
Die beiden scheinen unversehrt
Er ruft ganz laut um Hilfe, ich will doch noch nicht schon
jetzt ins kalte Grab
Aber wenn ich jetzt loslasse, dann falln das Pferd und ich
selbst hinab
Münchhausen hat sich aus dem Sumpf erhoben
Jetzt schwebt er hier seit Tagen droben
Der Arm wird schwach, die Hand geht auf
jetzt holt doch endlich das Sprungtuch
raus
Ein kleiner Junge zuppelt an dem Vati und er fragt, wie
macht er das
Die Mutti schubst ihn weiter und sie sagt, der macht doch
eigentlich nur Spaß
Wahrscheinlich ist das Pferd wie alles so ein großer
Heißluftballon
Mit Helium drin - das weiß doch jedes Kind, warum weißt du
das nicht, mein Sohn
Der Typ da oben ruft und krakeelt
Tut ob er gleich hinunterfällt
Er ruft ganz laut um Hilfe, ich will doch noch nicht schon
jetzt ins kalte Grab
Aber wenn ich jetzt loslasse, dann fall'n das Pferd und ich
selbst hinab
(Graf / Vetter)
Ich lieg in meinem Bettchen und träume grad von
nichts.
Der Opa ist ein Frettchen und grinst mir ins Gesicht.
Die Löwen tanzen Tango, und ich find das ganz normal.
Ich lümmel mich im Fango oder schon im Buchregal.
Nur ein Traum in meiner Traumwelt
Da kommt ein böser Drache, reißt mir die Arme ab.
Als Jungfrau schwör ich Rache und bringe ihn ins Grab.
Das wird dann zum Schwimmbad, und Bohnen wachsen drin,
verschlingen sich zum Rhönrad – und ich häng
mittendrin.
Die grünen Sterne prangen dort am Himmelszelt.
Kleine Würmer fangen Dropse und drucken daraus Geld.
Ein Cello stöhnt orgiastisch ein Cis aus sich heraus.
Die Noten werden plastisch – und ich zu
Körperklaus.
(Graf)
Ich speicher mir die Sonne in meinem Badeanzug,
verkauf den Regenbogen an die Presse.
Dann setz ich mich auf's Sofa und klebe meine Fotos
ein,
damit ich diesen Augenblick nie vergesse.
Schenk mir einen Rosa Lutscher, dann setz ich meine
Brille ab -
die geht mir schon zu lange auf die Augen
Dann schreib ich mit Kartoffeldruck mein Leben auf dein
Kissen,
und du kannst es dir nachher dann gern anschauen
Kennst du den Ort, wo 1.000 Träume Zimmer
mieten
und täglich zwei Stunden spazieren geh'n.
Dann nehm' ich dich mit, und wir treffen uns in 1.000
Träumen,
und den Schönsten nehmen wir dann mit nach
Hause.
Halt mich fest für eine Stunde, die dauert nur 'ne
Ewigkeit.
Das Erdbeereis zerschmilzt auf deinen Lippen.
Der große Wagen fährt uns auf der Lindenstrasse durch das
All
zum Badehosenfussballtraining auf dem Satelliten.
Und wir fliegen durch die Strassen vom
Tagtraummietobjekt
verlieren uns in 1.000 Träumen, und der Schönste wird schon
bald von uns entdeckt
(Vetter)
Die weiße Fahne weht nach Osten
Obwohl der Wind von dort her kommt
Die Schrauben fangen an zu rosten
Trotz Trockenheit und gut verplombt
Der Fernseher hört auf zu sehen
Das Radlerradl radelt nicht
Die Schuhe wollen nicht mehr gehen
Die Messerklinge klingt und bricht
Das ist der Widerstand der Dinge
Jeder hat's schon mal erlebt
Das ist der Widerstand der Dinge
Wenn alles in die Brüche geht
Der Spüler hat sich abgesprochen
Die Waschmaschine will nicht mehr
Der Fensterrahmen ist zerbrochen
Und auch die Türe geht sehr schwer
(Graf)
Ich stehe am Fluss und sehe mich treiben
Die Beine nach vorn, nach Norden hin
Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin
Ich sehe dich drüben, am anderen Ufer
Dein Blick ist hart, eiskalt und blau
Halt mich nicht auf, du kannst nicht verstehn
Das Leben ist eins, das andere ist Grau
Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht
leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin
Die Prinzen der Einsamkeit können mich nicht leiden
Weil ich zu weit weg von ihnen bin
Ich stehe am Berg und rufe nach dir
Ich weiß wo du bist, doch ich finde dich nicht
Nein, ich will nicht, das du mich verlierst
Einem traurigen Lied ist egal, wen es bricht
(Graf)
Meine Oma, diese Gute, hat für mich gespart
Drückt mir ein paar tausend Kröten auf die Hand
Kauf dir mal was Gutes, hat sie mir gesagt
Gleich ging ich in so ein großes Kaufmannsland
Jetzt hab ich einen Kühlschrank mit 5.000 Litern
Crushed Ice und Internet sowieso
Der bestellt von alleine, auch wenn ich nun meine
Zu viel Joghurt und kaum Bier und Wein
Schöne neue Welt
Heimkinoanlage mit 42 Boxen, High Fidelity und
Sensurround
Brüllt von unten, donnert oben, kracht links und rechts
Totaler Erlebnissound
Im Zimmer ist es eng nun mit den vielen Boxen
Doch ich nutz die Technik so gut ich kann
Am liebsten säh ich Tatort, doch das macht mich fertig
So guck ich nur noch Kaufkanal und Stummfilme an
Ob es mir nun gefällt oder nicht
Hier kommt die schöne neue Welt
Alles was jetzt noch zählt
Ist schnell gekauft oder bestellt
Kostet alles viel Geld
Doch ich nehme am Fortschritt teil
Ich bin doch nicht blöd
Und finde Geiz nicht so richtig geil
Anrufbeantworter, neuestes Modell
Mit integrierter Dialogoption
Lässt das Telefon nicht klingeln, hebt ab furchtbar
schnell
Und führt mit dem Anrufer Konversation
Am Ende jedes Monats dann im Internet
Bekomm ich's mit der Rechnung eiskalt serviert
Warum mich niemand anruft und mit wem diese Maschine
Stundenlange öde sinnlose Gespräche führt
(Schäffus)
Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er
Der Frosch auf seiner Leiter macht das Wetter wieder
heiter
Ein Sturm kommt auf, die Ruhe trügt
Weil uns gleich alles um die Ohren fliegt
Blätter, Zweige, Äste wirbeln durch den Wind
Schau nur, wie der Irrsinn gleich beginnt
Mitten in der Zerstörungskraft
Ein Moment, der uns Ruhe schafft – im Auge des
Sturmes
Hoppe hoppe Reiter, so geht das immer weiter
Wer sich nicht um den Frosch bemüht, riskiert, dass er
erfriert.
Bäume fallen, Dächer heben ab
Das ist die Schuld vom Frosch – nicht zu knapp
(Schäffus)
Des Hauses Augen
Nebelblind nach innen sehen
Müde Träne glitzert
Ein Hauch von ihr ist noch zu spüren
Melancholie
Alles ist vergänglich
So weh und doch so schön
Erinnerung wird unendlich
Die Träne wie ein Diadem
Schatten werden länger
Mondlicht dann zieht herauf
In einsamer Stille
Findt meine Seele ein Zuhaus
(Vetter)
Du musst heute Abend noch mal fort,
hast ein Konzert im Nachbarort.
Und damit es sich für mich lohnt,
wird heute mal ausgiebig gewohnt.
Für Wellness, Beauty ist heute Zeit
die Gurk´ auf's Auge, die Wanne bereit
mal richtig schön eine Stunde relaxen
und mich mit tollen Essenzen verhexen.
Ich darf heute wohnen, ganz ohne dich.
Ich darf heute wohnen, nur ich und ich.
Ich darf heut wohnen, ganz nur für mich
Ich darf heut wohnen, nur ich und ich.
Bevor ich mir Casablanca anseh,
gibt es zuerst Süßkartoffelpüree
die Beine lagern dann auf dem Tisch
und links davon steht das Knabbergemisch.
Das Schaumbad heiß, die Tür geht verzagt,
nun stehst du da - Konzert abgesagt
Ich wollt doch wohnen, ganz ohne dich,
jetzt stehst du vor mir, so geht das nicht!
Ich wollte doch wohnen, mal ganz nur für mich,
jetzt stehst du vor mir, so geht das nicht!
(Graf)
Du gabst mir deine Nummer,
Ich freute mich, da fängt jetzt was an
Doch schon der erste Kontaktversuch:
Du gehst nicht ran
Ich dachte, das kann Zufall sein,
Mensch ärgre dich nicht, stell dich nicht so an.
Versuchst es später noch einmal,
Doch du gehst nicht ran
Finde den Fehler, ghostest du mich?
Finde den Fehler, ich stalk dich doch nicht
Ich wollte doch nur ein Date mit dir,
Ruf dich nun fast täglich an.
Ich höre deinen Klingelton,
Doch du gehst nicht ran
Mit WhatsApp und mit Briefpapier
Per SMS und Telegramm
Suche ich Kontakt zu dir,
Doch du gehst nicht ran
Jetzt ist die Mailbox übervoll,
Dass sie nichts mehr speichern kann.
Meine Nase ist genauso voll,
Ich ruf dich gleich mal an!
(Graf / Schäffus)
Die Ewigkeit ist Langeweile die Ewigkeit ist trostlos
lang Nichts Neues gibt es, keine Eile ist vonnöten, mir
wird bang
Wenn Syssi seine Steine rollte dann hat er wenigstens zu tun Was ich damit sagen wollte - ach, was soll es, sei es drum
Die Ewigkeit ist nichts für mich Puzzle tausend mal tausend Teile ist in der Ewigkeit ein nichts denn Ewigkeit ist Langeweile
Die Ewigkeit ist Langeweile da hilft kein Gott, kein
Heilgenschein kein Halleluja oder Hosianna da hilft kein
Betteln und kein Schrei`n, kein drittes Ei am fünften
Bein
Die Ewigkeit ist Langeweile die Ewigkeit ist trostlos lang Nichts Neues gibt es, keine Eile ist vonnöten, mir wird bang
(Graf)